Der magische Brunnen

Eine tragische Liebesgeschichte. Tantris und Solyde sind durch einen reissenden Fluss getrennt, doch Dank einem magischen Brunnen, können sie sich sehen.

Vor langer Zeit, existierten zwei Dörfer. Sie lebten in Zwietracht miteinander. Beide waren durch einen kleinen aber reissenden Fluss getrennt, und dies war auch gut so. Die Dörfer schöpften ihr Wasser aus der eben besagten lebensspendenden Wasserquelle, doch keiner der beiden hatte den Willen zu teilen. Die Dorfbewohner hassten sich gegenseitig.

Doch dies galt nicht für alle.

Ein junger Mann des linken Dorfes, sein Name war Tantris, sass am Ufer des strömenden Flusses. Anders als seine Artgenossen, hasste er das rechte Dorf nicht, Nein. Er sehnte sich danach.

Immer wieder schaute er hoffnungsvoll auf die andere Seite und hielt nach der Frau Ausschau, die sein Weltbild verändert hatte. Die Frau, die er liebte.

„Bis später!“ rief Solyde ihrer Mutter hinterher, als sie die Haustüre schloss und sich eilig zum Fluss aufmachte. Sie hatte ihren Liebsten nun lange genug warten lassen, sie wollte ihn sehen.

Ihre Eltern hatten ihr verboten Tantris zu sehen. Die jeweiligen Dörfer würden eine Liaison niemals gestatten. Es wäre ein Skandal gewesen. Doch mittlerweile war es ihr egal geworden, was die Leute dachten.

Solyde rannte in Richtung Flussufer und hielt Ausschau nach ihrem Liebsten. „Solyde!“ Tantris sah hinüber. Da stand sie, Solyde. Mit ihren langen blonden Haaren, die über ihre üppigen Brüste bis zu ihrer Hüfte ragten. Mit ihren grünen Augen. Mit ihrem Lächeln. Sie war einfach perfekt.

„Tantris!“

In ihrer blinden Verliebtheit rannten die beiden Liebenden aufeinander zu, um sich umarmen zu können, bevor sie die harte Realität wieder ins Leben zurückwarf. Sie hielten kurz vor dem jeweiligen Ufer des strömenden Flusses an.

Sie hasste ihn. Er allein war der Grund dafür, dass sie Tantris nicht in ihre Arme schliessen konnte, dass sie ihren Liebsten nicht küssen konnte, ihm nicht ins Ohr flüstern konnte, dass sie ihn liebte. Dieser elende Fluss! dachte sie sich.

Sie sahen sich über den Fluss hinweg an. Solyde weinte: „ich hasse diesen Fluss“ meinte sie zu Tantris. Dieser nickte ihr zustimmend zu. „Ohne ihn wären wir um einiges besser drann“. „Ich wünschte, es gäbe ihn gar nicht erst“. Die Worte hallten merkwürdigerweise an den Strömungen des Flusses wieder. Als ob das Wasser ein Echo erzeugt hätte. Das Paar fuhr herum.

Dann als, ob die Worte, die den jungen Liebenden entsprangen, Zauberworte gewesen wären, begann sich ein Wirbel inmitten des Flusses zu formen. Erst bemerkten ihn die Liebenden nicht, doch als er immer mehr an Größe zunahm, machten sie einen Schritt zurück. Er wurde grösser und grösser. Die immensen Wassermassen, welche sich im Fluss befanden, schienen sich wie von Zauberhand in eine Richtung zu bewegen. Sie wurden beinahe zwanghaft dazu gedrängt sich zu drehen. Der eigentlich wolkenlose strahlende Tag, wurde innerhalb von Sekunden zu tiefster Nacht. Der reißende Wirbel nahm immer mehr an Geschwindigkeit zu.

Tantris und Solyde schauten verdutzt umher. Wie war es möglich, dass das Wetter so dramatisch umschwang? Etwas nicht-menschliches ging vor sich. „Was ist hier bloss los?!“ fragte sich Solyde, während sie, ohne dass sie es bemerkte, die Worte laut aussprach. Das Reissen des Flusses wurde heftiger. Der Wirbel grösser.

Das Wasser verdunkelte sich an jener Stelle an der, der inzwischen flussbreite Strudel immer noch seine Kreise zog.

Plötzlich, wie aus dem Nichts, sprang aus dem Wasser ein ungeheure Wesen in die Lüfte. Solyde schrie auf.

Tantris schien das Entsetzen im Gesicht geschrieben zu sein. Seine Augen waren weit geöffnet. Der Mund zu einer ungeheuerlichen Fratze verzogen. Der Ausdruck purer Angst.

Ein riesiges Monster, halb Mensch, halb Fisch musterte die beiden Liebenden verächtlich vom Himmel herab. Es hatte Arme und Beine, welche überaus muskulös waren. Doch statt Haut, bestand sein Körper aus einer schleimigen Verbindung aus Holz, Fleisch und Saugnäpfen. Ein schlammiges hölzernes Braun. Das Monster schien durch die zwei monströsen Löcher in seiner Brust zu atmen. In seiner Hand hielt er einen riesigen Speer.

Tantris sah ihn an. An der Stelle, an der seine Augen hätten sein müssen, zierten grosse leere Augenhöhlen das Gesicht des Ungetüms.

„Ein Flussgeist!“ Solyde erkannte das Geschöpf aus den Erzählungen, die man ihr als Kind vorgelesen hatte. Sie hätte  aber niemals geglaubt, dass solche Unwesen tatsächlich existieren.

Das Monster öffnete den Mund und begann in einer wunderschönen und klaren Frauenstimme auf Tantris und Solyde hinab zu sprechen:

„Sterbliche! Ihr habt den Fluss, den Quell eures Lebens beleidigt! Doch anstatt euch zu bestrafen“ – der Flussgeist lächelte höhnisch – „will ich euch schenken, wovon ihr schon immer geträumt habt“!

Die jungfräuliche Stimme passte nicht zum Aussehen des Flussgeistes. Es schien als ob jemand einen Streich mit ihnen spielte. Diese zärtlichen Klänge, welche übermäßiges Vertrauen und Zuneigung signalisierten, konnte Tantris einfach nicht mit der grässlichen Fratze des Flussgeistes verbinden.

Das Monster neigte den Kopf hin und her, begann zu summen und dann, zur Überraschung Tantris und Solydes, begann es zu singen:

„Wessen Liebe ist entfacht, dessen Herzen jedoch schwach,

der gehe zum innersten seines Reichs, und sehe in des steinernen Teichs,  

dort träume er von seines Herzens Sucht, und dessen Liebes Frucht.  

Er werfe in das Wasser ein gülden Stück, und warte dort, auf das balde Glück.

Wessen Gier jedoch zu gross, das Gold es bleibt in dessen Schoss.        

Der sehe sich vor, das Ungemach, es wird ihn jagen, der Flussgeist duldet keine Schmach.

Es gibt keine Rettung,  kein Hinfort. Betrügt man den Flussgeist, wartet nur der Tot.

Doch Wahre Liebe, des Feuers Glut, vermag aufzuhalten des Monsters Wut“

Tantris war erneut überwältigt von der Stimme des Geistes. Es schien in keinster Weise zum furchteinflößenden Geschöpf zu passen. Noch bevor er sich den Flussgeist weiter ansehen konnte, liess dieser sich in den Wirbel zurückfallen. Innerhalb einer Sekunde legte sich die Strömung und das Unwetter schien sich zu verziehen. Es war wieder Tag geworden.

„Was war das?“ fragte Solyde unsicher? Sie hatte zwar davon gehört, dass Flussgeister ab und an Sterbliche zu irgendwelchen Taten verführten, doch wirklich ausmalen, was das vom Flussgeist gesungene Lied zu bedeuten hatte, konnte sie nicht.

Tantris wiederholte im Geiste die Worte, die er soeben gehört hatte. „…der gehe zum innersten seines Reichs, und sehe in des steinernen Teichs..“. Was konnte dies bedeuten?

Dann, urplötzlich, fiel es ihm wie Schuppen von den Augen.

Er sprang auf. „Solyde!“ „Was ist mein Liebster?“ sprach Solyde vom anderen Ufer des Flusses. „Ich weiss wie wir uns endlich richtig sehen können“. Ein Funkeln zeichnete sich in Solydes Augen ab. „Gibt es in eurem Dorf, irgendwo einen Brunnen?“ Tantris war sich sicher. Es musste einen haben. Der Flussgeist wusste wovon er sprach.

„Es gibt einen hinter einer wundervollen versteckten Lichtung. Dort gibt es riesige stämmige Bäume und ach die Blumen…“ Solyde schweifte ab. „Hör mir zu!“ sprach Tantris, als ob er seine Geliebte aus ihren Träumen zurückholen wollte. „Du musst heute Abend, zu eben jenem Brunnen gehen. Wirf ein Goldstück hinein, und dann stell dir mein Gesicht vor! Ich werde dasselbe tun.“ Solyde verstand endlich und sie nickte.

Sie blieben noch eine ganze Weile am Ufer des Flusses sitzen und malten sich aus, wie es sein würde, sich endlich in den Armen zu halten, sich endlich küssen zu können. Erst als es bereits finster wurde, gingen sie ihres Weges, vorfreudig auf das baldige Treffen.

Es war tiefste Nacht als sich Solyde aufmachte, um endlich die Liebe ihres Lebens sehen zu können. Sie konnte es kaum erwarten.

Sie marschierte, zügiger als sie es sonst tat, auf die kleine Lichtung zu, welche sich etwas versteckt im Dorfinneren befand. Als sie dort ankam, blieb sie vor Staunen stehen. Sie hatte die Lichtung niemals bei Nacht betrachtet. Die riesigen Bäume säuselten romantisch im Wind, während der helle Mondschein den Brunnen in weissem Licht erstrahlen lies.

Dann sah sie den Brunnen. Er war riesig – zweistöckig. Der Stein schien bereits uralt zu sein – jedenfalls schien es so, als Solyde ihn berührte. Auf der Spitze thronte ein kleiner Engel aus Stein, der mit seinen Flügeln liebevoll auf Solyde hinab schaute. Sie hatte das merkwürdige Gefühl beobachtet zu werden. Bedacht strich sie sich ihr blondes Haar zur Seite und atmete tief durch. Dann nahm sie das Goldstück, welches sie aus dem Haushaltstopf ihrer Mutter entwendet hatte und schmiss es ins klare Wasser. Sie schloss sie die Augen.

Tantris! dachte sie, während sie sich das Gesicht ihres Liebsten bildlich vorstellte.

Nichts geschah. Tantris!

Das Wasser im Brunnen begann zu brodeln. Solyde öffnete die Augen und sah hinein. Sie sah das Spiegelbild ihres über alles geliebten Tantris.

Doch in dem Moment, als sie in jenes Abbild greifen wollte, riss eine gewaltige Kraft heftig an ihrem Arm. Solyde schrie. Irgendetwas zog sie in den Brunnen. Irgendetwas unsichtbares. Die Kraft wurde stärker und stärker. Sie versuchte sich mit aller Kraft zu wehren, doch ihre Versuche schienen nichts zu bewirken. Es umfasste ihren Arm, wie durchsichtige Schlingen, die sich ihr um jeden Preis zu Willen machen wollten. Das Wasser des Brunnens kam näher und Solyde spürte die Nässe bevor das klare Wasser überhaupt ihre sanfte Haut berührt hatte.

Sie sah das Ebenbild Tantris im Wasser und entschied sich einfach gehen zu lassen. Sie hatte keine Kraft mehr. Die unbekannte Macht zog die wunderschöne Frau ins Wasser. Solyde hielt sich die Nase zu. Ich werde sterben! dachte sie sich. Sie würde keine Luft mehr bekommen. Doch als sie vollständig unter Wasser war und ihre Lunge nach Luft schrie konnte sie nicht anders als den Mund zu öffnen.

Zu ihrer Überraschung schluckte sie kein Wasser. Sie wurde nicht ohnmächtig oder hatte das Gefühl zu Ersticken. Nein. Sie konnte Atmen. Unter Wasser.

Sie öffnete die Augen. Das Wasser war hellblau, und so erstaunlich klar, dass sie bis an den Grund sehen konnte. Sie befand sich augenscheinlich inmitten des Flusses. Eben der Fluss, der die Trennung der beiden Liebenden verursachte. Die Strömung spülte sie hin und her. Solyde wurde schwindlig. Sie sah Fische und alle möglichen Arten an Flussbewohner. Dann ruckelte es heftig und sie wurde unverhofft in eine Einbuchtung unterhalb riesiger Steine gedrückt. Das Wasser fiel von ihr ab.

Solyde sah auf. Sie befand sich in einer kleinen Grotte. Eine mit Luft gefüllte kleine Grotte. Übersät von immensen Gesteinsbrocken die im Laufe der Jahre zusammengewachsen waren. Von der Decke hingen riesige Stalaktiten. Sie waren offensichtlich durch die vielen Wassertropfen, die sich an der Decke versammelten, entstanden.

Aber es hatte kein Wasser. Die Strömung schien es von der Grotte fernzuhalten. Als sich Solyde umsah, sah sie, ganz am Ende der Grotte, die Umrisse eines Mannes. Sie lächelte. „Tantris!“ schrie sie glücklicher als je zuvor. „Solyde!“ Tantris rannte ihr entgegen. Sie sprang in seine Arme und die beiden Liebenden küssten sich.

So zog es sich nun aberhunderte von Male ab. Solyde kam zum Brunnen, warf ein Goldstück in den besagten Brunnen und dachte dabei an Tantris. Sie liess sich treiben, bis zu jener Grotte, in der die magische Strömung sie hingeleitete. Tag für Tag. Nacht für Nacht.

Eines schönen Abends, die Sonne hatte gerade die Erde geküsst und dem Mond seinen Auftritt überlassen, marschierte Solyde zielstrebig auf den, von einem steinernen Engel bewachten, Brunnen zu. Sie wollte sich mit Tantris treffen, wie sie es jeden Abend tat. Doch mittlerweile gingen ihr die Goldstücke aus.

Sie hatte bereits unzählige ihrer Habseligkeiten verkauft um das benötigte Gold aufzutreiben um Tantris sehen zu können. Der Flussgeist gab, doch nehmen tat er ebensoviel.

Sie schritt auf den Brunnen zu und schaute tief hinein. Dann zückte sie eine golden gefärbte Kupfermünze aus ihrem Rock und warf sie in den Brunnen. Der Flussgeist solle gefälligst nicht so kleinlich sein, dachte Solyde, sie würde ihm das nächste Mal mehr geben.

Tantris! Sie stellte sich das Bild ihres Liebsten vor. Dann liess sie sich von der unsichtbaren Kraft, der sie mittlerweile vollends vertraute, in den zweistöckigen Brunnen ziehen. Solyde wurde hin und her gewirbelt, genau wie es die letzten Male geschah. Sie war es sich bereits gewohnt. Dann gelangte sie in die, von Zauberhand abgeschirmte, Grotte. Tantris wartete bereits auf sie.

„Solyde, meine Liebe“ Tantris lief auf Solyde zu um sie zu umarmen.

Plötzlich, es geschah in genau jenem Augenblick ertönte ein lautes Grollen und Beben. Tantris und Solyde schauten verdutzt herum. Dann wieder. Das Grollen wurde lauter. Und lauter. Tantris hielt sich mit einer Hand die Ohren zu während er sich mit der Anderen an der steilen Gesteinswand abstützte, damit ihn das Beben nicht zu Fall brächte.

Solyde schaute instinktiv gen Himmel. Sie sah aber nur Stalaktiten. Hunderte Stalaktiten. Was zur Hölle war nur los?

„Was ist los?!“ fragte Tantris, als ob er Solydes Gedanken gelesen hätte. „Wir haben doch alles gemacht, wie wir es immer getan haben“ – Tantris sah Solyde hoffnungsvoll an.

Diese riss die Augen auf: „Das Kupferstück!“ entfiel es ihr, lauter als sie es eigentlich vorhatte. „Was?!“ – Tantris brüllte vor entsetzen – „hast du wirklich, die Anweisungen des Geistes verletzt?“ „Ich hatte keine Goldstücke mehr Tantris…“ – Solyde legte eine Pause ein – „und ich wollte dich unbedingt sehen“.

Wie konnte er überhaupt Böse auf sie sein, dachte sich Tantris. Er liebte sie. Strauchelnd kam er näher um Solyde in den Arm zu nehmen. Wisch! Tantris fuhr herum. Was war das?

Wisch!  nochmal. Wisch!

Dann geschah es. Ein Lautes Grollen erfüllte die Grotte als das schlimmstmögliche Szenario eintrat: Die Barriere bröckelte. Wasser drang in die Grotte ein, während die beiden Liebenden ihren Augen nicht trauen wollten. Sie befanden sich in einer kleinen Höhle unter einem reissenden Fluss. Das Wasser würde jeden Moment durchbrechen. Sie sassen in der Falle.

Solyde rannte auf Tantris zu, während dieser es ihr gleich tat. Gerade als sich ihre Fingerspitzen berührten, zerbrach die magische Wand.

Das Wasser drang mit einer unvorstellbaren Kraft ein. Es riss Gesteinsbrocken mit sich und zerstörte ganze Teile der Grotte. Solyde sah ängstlich zu Tantris hinüber. Das wars…, dachte sie sich. Tantris griff nach ihren Händen und zog sie an sich. Solyde sah im tief in die Augen. Auch er schien zu wissen, dass es hier vorbei war. Arm in Arm warteten sie darauf ausgelöscht zu werden.

Das Wasser preschte noch weiter hervor, die beiden Liebenden befanden sich mittlerweile bereits vollständig unter Wasser. Sie vernahmen ganz Leise die singende Stimme einer Jungfrau: „ …Wessen Gier jedoch zu gross, das Gold es bleibt in dessen Schoss. Der sehe sich vor, das Ungemach, es wird ihn jagen, der Flussgeist duldet keine Schmach…“. 

Solydes Lunge schrie nach Luft. Sie musste atmen, unbedingt. Ohne dass sie es verhindern konnte, öffnete sich ihr Mund instinktiv. Sie schluckte Wasser. Langsam wurde ihr schwindelig und ihr Blick schien sich zu trüben. Sie sah zu Tantris, dessen Lage nicht viel besser war. Dieser sah zurück. Sie wussten, dass es vorbei war. Sie würden sterben. Solyde formte mit ihren Lippen, den Satz: Ich liebe dich! – Ich dich auch.

Dann küssten sie sich. Sie schlossen ihre Augen

Dann, es geschah schneller, als ein menschliches Auge überhaupt hätte erfassen können, umfasste die beiden Liebenden ein helles Licht. Es blendete sie so dermassen, dass sie ihren Partner nicht mehr erblicken konnten. Tantris! schrie Solyde in ihren Gedanken, so laut, dass ihr der Kopf weh tat. Dann – Luft! Urplötzlich konnte Solyde wieder atmen, und ihr Blick wurde klarer. Tantris! jetzt schrie sie wirklich. Unter Wasser. Solyde! Es hallte zurück. Sie lebten…beide! Wie konnte das sein? Das Wasser hätte ihre Lunge zerdrücken müssen. Solyde fasste sich an jene Stelle, an der sie ihre Lunge vermutete.

Ihre Haut war anders, sie war schuppig. Solyde erschrak. Was war Geschehen? Das Licht verzog sich. Doch an jener Stelle, an der sie ihren Liebsten zuletzt gesehen hatte, befand sich nun ein kleiner Fisch. Nicht grösser als einen halben Meter.

Solyde! hallte es. Der Laut kam vom Fisch. Solyde begann zu verstehen.

Sie wurden, irgendwie oder durch irgendwem, in Fische verwandelt. Sie waren dem Tod entronnen, indem sie sich verwandelt hatten. Wie konnte es sein? Ihr fielen die Worte des Flussgeistes wieder ein. Still murmelte sie in Gedanken den letzten Vers aus dem Gedicht:

„…Nur Wahre Liebe, des Feuers Glut, vermag aufzuhalten des Monsters Wut„. Dann sah sie Tantris an.

Er lächelte.

Die strahlende Sonne schien mit all ihrer kolossaler Kraft auf das Wasser des Flusses. Es war mörderisch heiss, doch trotzdem hatte sich ein einsamer Fischer am Ufer des Flusses zurechtgemacht um zu Angeln. Als er nach Beute Ausschau hielt, sah er inmitten der Fluten zwei kleine silberne Fische, vielleicht einen halben Meter lang, Seite an Seite. Staunend betrachtete er sie. Sie waren anders als die anderen Tiere.

Sie schwammen gemeinsam gegen den Strom.

I.F.

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